DAS FORUM FÜR FRAU, BERUF & KARRIERE

Frau kann sich im Internet ja über alles unterhalten: Wie mache ich eine Gesichts-Maske aus Heidelbeeren? Wie kann ich meinen Mann noch besser beglücken? Wie bringe ich mein Kind dazu, Pastinaken zu essen? Und so weiter und so fort…Nur zu einem Thema gab es bisher keine Plattform speziell für Frauen: Zum Thema Job!

Jetzt aber gibt es das Oh my Job! – Forum

Einfach mal ganz anonym Luft ablassen, ohne dass es jemandem schadet, einfach mal nach Rat fragen, ohne blöd dazustehen, oder einfach mal gucken, wie andere Frauen ihren Arbeitsalltag so managen… Dafür ist “Oh my Job!” da.


Einmal im Monat interviewt das Team von Oh my Job eine Frau, die uns besonders inspiriert – ein echtes Role Model.

 

Nachgefragt bei: Ärzte ohne Grenzen

copyright Clio van Couter

copyright Clio van Couter

Vielen von euch geht es sicher so wie mir. Wenn ich an Ärzte ohne Grenzen denke, präsentiert sich mir vor meinem geistigen Auge ein von Mythen umwobenes Bild im Weichzeichner, von ein paar weiß gekleideten, braungebrannten Männern, die sich wagemutig aus einem einmotorigen Flugzeug mitten in der Wüste stürzen und ich denke: „Wow! Das sind ja echte Superhelden! Mit einer Ottonormalverbraucherin wie mir, hat das aber nichts zu tun.“

Offensichtlich geht meine Fantasie hier aber ein bisschen mit mir durch. Zunächst einmal sind unsere Helden in der Mehrheit Heldinnen, denn nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen sind seit Jahren konstant etwa 57% der Teilnehmer an Projekteinsätzen weiblich. Darüber hinaus kommt nicht nur medizinisches Personal zum Einsatz, sondern auch Fachleute aus den Bereichen Administration, Buchhaltung, Personalwesen, Technik und Supply-Management.
Damit ihr, liebe Oh My Jobberinnen und Jobber, euch ein genaueres Bild machen könnt, von dem, was sich bei den Ärzten ohne Grenzen wirklich abspielt, möchten wir euch einmal den Alltag im Einsatz beschreiben und zwei Mitarbeiterinnen – eine Chirurgin und eine Hebamme – vorstellen.

 

DER KRISENFALL – WIE GEHT ÄRZTE OHNE GRENZEN VOR?

Im Gegensatz zu meiner unschuldig naiven Vorstellung, springt niemand spontan aus einem Flugzeug. Tatsächlich wird zunächst ein kleines Team auf Erkundungsreise geschickt, das die Lage vor Ort analysieren soll. Meistens handelt es sich dabei um Team, bestehend aus einer medizinischen Fachperson und einer Person mit logistischer Expertise.
Deren Aufgabe ist es, in kurzer Zeit (1-2 Tage), herauszufinden, was die Hintergründe der Krise sind, wie sich die Bevölkerungsstruktur darstellt, welche Bedürfnisse die Menschen vor Ort haben, wie es um die Infrastruktur bestellt ist, welche Mittel vor Ort genutzt werden können, wer als potentieller Partner zum Einsatz kommen kann und ob ein Einsatz logistisch durchführbar ist.
Losgehen kann es nach so einer Erkundungsfahrt allerdings noch nicht. Im Anschluss muss erst einmal abgewägt werden, welche Konsequenzen ein Einsatz hätte und wie sich die Krise weiter entwickelt. Außerdem legt Ärzte ohne Grenzen Wert darauf, dass durch einen Einsatz die eigentlich Verantwortlichen nicht aus der Pflicht genommen werden. Auch die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen muss genau überprüft werden. Ist das alles geklärt, fliegen allerdings immer noch keine braungebrannten Ärzte los, denn nachdem die oben stehenden Aufgaben abgehakt sind, muss über die Zusammensetzung des Einsatzteams entschieden werden. In manchen Krisengebieten werden zum Beispiel viel mehr Sanitär-Experten gebraucht, in anderen eventuell vermehrt Kinderärzte.
Zu guter Letzt kommt noch das liebe Geld ins Spiel. So ein Einsatz bezahlt sich nicht von allein, also gilt es, festzustellen, ob genug finanzielle Mittel zur Verfügung stehen und ob es staatliche Hilfsmittel geben wird, damit der Einsatz beginnen kann. Die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen finanziert sich zu 89 Prozent aus privaten Spenden; 9 Prozent des Einkommens der Organisation stammt aus öffentlichen Mitteln.

 

ÄRZTE OHNE GRENZEN IM EINSATZ – SO LÄUFT ES FÜR DIE PROJEKTMITARBEITER

Die Projektmitarbeiter treffen im Einsatzgebiet auf die dortigen, nationalen Kollegen, die solche Projekte über Jahre begleiten. Es wird also von keinem Neuling verlangt, autark zu arbeiten. Reich werden kann man bei Ärzte ohne Grenzen nicht, aber es werden immerhin 1400 Euro im Monat gezahlt, damit laufende Kosten Zuhause gedeckt sind. Medizinische Versorgung, Prophylaxe und Impfungen, Reisekosten, Unterkunft und Verpflegung werden aber selbstverständlich von der Organisation getragen. Auch Urlaub und Freizeit sind durchaus vorgesehen und psychologische Hilfe kann jeder Zeit in Anspruch genommen werden.

 

WIR FRAGEN:

 

2013-11-21-jana-junkmann-chirurgin

JANA KARINA JUNKMANN (CHIRURGIN)

Frau Junkmann war zuletzt 2013 für 7 Monate als Ärztin in Porte-au-Prince im Projekteinsatz. Sie arbeitete in einem auf chirurgische Notfälle spezialisierten Krankenhaus. Neben der ärztlichen Tätigkeit war sie auch an allgemeinen organisatorischen Aufgaben beteiligt.

 

 

Südsudan 2013

ANNIKA BOMBECK (HEBAMME)

Frau Bombeck arbeitete 2010-2011 für neun Monate in Pakistan und 2013 für sechs Monate im Südsudan für Ärzte ohne Grenzen. In ihrer Einsatzklinik kümmerte sie sich um das gesamte Spektrum der Geburtshilfe mit Ausnahme von Operationen, aber auch um die Organisation sowie Trainings der nationalen Mitarbeiter.

 

 

Beeinflusst ihre Tätigkeit im Einsatz für ÄoG ihre Arbeit in Deutschland? Gibt es neben der fachlichen Weiterentwicklung noch weitere Erfahrungen, die Sie für ihre Arbeit in Deutschland “mitgebracht” haben?

Junkmann: Für ÄoG im Einsatz gewesen zu sein, beeinflusst meine Tätigkeit in
Deutschland viel weniger, als ich erwartet hätte. Obwohl es am Ende immer
um den Patienten geht, ist es insgesamt so unterschiedlich, dass es außer
fachlichem wenig Dinge gibt, die meine Arbeit in Deutschland beeinflussen.
Ich habe mich selbst besser kennengelernt, weiß mehr über meine Stärken und
Schwächen, und wie ich in schwierigen Situationen reagiere. Und ich habe
eine Menge darüber gelernt, wie man mit Mitarbeitern fair umgeht. Wie Teams
entstehen und wie viel Spass es macht, wenn alle an einem Strang ziehen
-wenn auch mit verschiedenen Werkzeugen- werde ich nie vergessen.Das
versuche ich auch für die Arbeit in Deutschland umzusetzen, obwohl die
Ausstattung und Möglichkeiten zu Hause um Welten besser sind und die
Situation eigentlich viel einfacher ist ist es schwieriger.

Bombeck: Fachlich hat die Arbeit mit ÄoG meine Arbeit hier in Deutschland sicherlich beeinflusst. Zwar ist die Arbeit in vielen Bereichen anders, da z.B. so
“Sachen”, wie Geburten aus Beckenendlage (Kind wird mit dem Po zuerst
geboren) hier in Deutschland ärztliche Tätigkeiten sind, aber ich habe u.a.
gelernt mich auf mich und meine Art, Komplikationen zu meistern, verlassen zu
können. Neben dem rein fachlichen, sind aber vor allen Dingen meine
erweiterte, bereicherte Sicht auf Geburt und Schwangerschaft zu nennen.
Habe ich doch in meinen Einsätzen erleben dürfen, wie Frauen unter
besonders schwierigen Umständen “einfach” und ohne viel Aufhebens ihre
Kinder gebären und dies als völlig normal betrachten. Ich habe gelernt, die
medizinischen Möglichkeiten hier in Deutschland viel mehr wertzuschätzen,
ist doch unsere Geburtshilfe so viel sicherer für Mutter und Kind. Auf der
anderen Seite, habe ich aber auch erkennen dürfen, dass nicht alles gut
ist, nur weil es technisch machbar ist. Geburten sind immer noch ein völlig
normaler Teil unseres Lebens und brauchen Raum, Zeit und Geduld. Das hat
mich vielleicht am meisten verändert.

Und eine spezielle Frage für Frau Bombeck:   In Deutschland wehren sich die Hebammen aktuell gegen die hohen Prämien für die Haftpflichtversicherung. Glauben Sie, dass es für Hebammen deswegen künftig schwieriger wird, an Einsätzen für ÄoG teilzunehmen – etwa weil eine Auszeit von einer Festanstellung ein größeres Risiko bedeutet?

Die hohen Haftpflichtprämien betreffen die freiberuflich tätigen Hebammen (zu denen ich gehöre), aber nicht die festangestellten, deshalb dürfte es da keinen Zusammenhang geben. Für mich als freiberufliche Hebamme, die überwiegend außerklinische Geburten (d.h. Geburtshausgeburten und Hausgeburten) betreut, sind die hohen Prämien vielleicht sogar ein größerer Anreiz nochmal eine Mission zu machen, kann man dann doch die Versicherung in Deutschland ruhen lassen. (Ausserdem hab ich manchmal nur noch in den Einsätzen mit ÄoG wirklich das Gefühl als Hebamme “im Einsatz für Mutter und Kind” zu arbeiten und mich nicht hauptsächlich mit dem “drumherum” wie Dokumentation zu beschäftigen.)

Südsudan 2013

Südsudan 2013

 

Wer mehr über die Arbeit bei Ärzte ohne Grenzen erfahren will, findet auf der offiziellen Website www.aerzte-ohne-grenzen.de eine Menge Infos zum weiterlesen.

Wir bedanken uns bei Jana Karina Junkmann, Annika Bombeck und bei der Pressestelle von Ärzte ohne Grenzen, für die tolle Zusammenarbeit.

Würdet ihr auch für Ärzte ohne Grenzen oder eine ähnliche Institution arbeiten? Erzählt uns davon im Forum!

 



Die älteren Interviews findet ihr hier!


 

Was machen wir hier eigentlich?

Ganz einfach: Du hast ein Problem oder eine Frage und die Gemeinschaft entwickelt in Zusammenarbeit eine Antwort oder eine Strategie. Jeder einzelne Input kommt mit andern Erfahrungen und Erkenntnissen daher, die in der Summe die bestmögliche Lösung liefern (neudeutsch könnte man es wohl “Crowd Coaching” nennen). So bekommst Du kostenlose Hilfe und Beratung aus einem Wissensschatz, der keinem einzelnen Berater allein zur Verfügung steht.


Frau erschöpft von der Arbeit

 

Die Oh my Job UG (haftungsbeschränkt) wurde im Juli 2014 von drei Frauen gegründet – einer Rechtsanwältin, einer Brand Managerin und einer Autorin.